Historie

Der traditionsreiche Männergesangverein feierte im Jahre 1997 sein 125-jähriges Bestehen und stellt somit die älteste weltliche Sängergemeinschaft der südpfälzischen Ortsgemeinde Hagenbach, seit 2006 Stadt Hagenbach.

Wie alles begann

Im Gründungsjahr 1872 fanden sich Gleichgesinnte in der Wirtschaft zum „Rebstock“ zusammen und gründeten in der damals noch kleinen bäuerlichen Gemeinde und dem ehemaligen Reichsstädtchen den ersten Männergesangverein des Ortes. Neben ihrem Idealismus zu diesem Vorhaben war es vor allem die Liebe und die Freude am Gesang; aber auch der Wunsch, sich für die Pflege und Förderung des volkstümlichen Liedgutes stark zu machen. Ist doch der Gesang, so möge Ihnen durch den Kopf gegangen sein, ein wertvolles Volksgut, das in allen Lebenssituationen seinen Sinn findet und vielen Menschen, ob Jung oder Alt, Geborgenheit in der Gemeinschaft gibt.

Dieser Schritt war ohne Zweifel in der damaligen Zeit eine kulturelle Bereicherung im Alltagsleben der einheimischen Dorfgemeinschaft und trug für viele von ihnen zur Geselligkeit und Unterhaltung bei. Aus den bescheidenen Anfängen heraus hat sich die kleine Sängerschar im Laufe des Jahrhunderts zu einer Chorgemeinschaft entwickelt, die mit ausdrucksvollem Liedgut aufwarten kann.

Stationen zur Vereinsgeschichte:

1872: Vereinsgründung und Satzungsgebung

1876: Erste Fahnenweihe verbunden mit einem Dorffest 

1897: 25-jähriges Stiftungsfest unter Mitwirkung der Nachbarvereine aus der Bienwaldecke

1912: Vereinsfest mit Fahnenerneuerung

1920: Wiederaufnahme der aktiven Tätigkeit nach den 1. Weltkrieg

Nach all den freudlosen Nachkriegsjahren des 1. Weltkrieges wurde 1922 das 50-jährige Gründungsfest gefeiert. Mit Beteiligung der inzwischen etablierten örtlichen Vereine und Gastvereine aus der Umgebung waren es nach diesen schweren Jahren endlich wieder Stunden der Sorglosigkeit im Frieden.

Unter der dynamischen Stabführung des Dirigenten Richard Nicola, entfaltete sich die Chorarbeit zu voller Blüte und brachte schöne Erfolge in Sängerwettbewerben mit sich. Nach erfolgreichen und harmonischen Jahren musste zum Kriegsausbruch 1939 die Vereinsarbeit abermals eingestellt werden.

Allein 20 getreue Mitglieder, darunter viele aktive Sänger, waren nach Kriegsende gefallen oder vermisst und hatten eine spürbare Lücke hinterlassen. Das Vereinslokal „Zum Schwanen“ war zerstört und der Großteil des Vereinsarchives hierbei verloren gegangen. Im Jahre 1948 konnte mit Genehmigung der Militärbehörde der Betrieb im Ausweichlokal „Zum Pflug“ wieder aufgenommen werden. Viele Veteranen waren zugegen, auch erstmals Leute der jüngeren Generation waren gekommen, so dass die Lücken der im Krieg verbliebenen Sängerkameraden durch viele Neuzugänge wieder geschlossen werden konnten.

 

 (Fahnenweihe 1952)

Die Jahre von 1948 bis zum 125-jährigen Jubiläum des Vereines 1997 waren 50 Jahre kontinuierlicher Chor- und Vereinsarbeit. Die folgenden Jubiläumsveranstaltungen waren immer wieder Höhepunkte im Vereins- und Dorfgeschehen, bei dem sich der MGV Eintracht als geschlossene Einheit präsentieren konnte. Einen besonderen Höhepunkt bildete die Verleihung der Zelter Plakette durch den Bundespräsidenten im Jahre 1972 zum 100 jährigen Bestehen des MGV 1872 Eintracht Hagenbach

Des weiteren wurde an vielen Konzert-, Prädikats-, Punktewertungs,- Volkslieder- und Freundschaftssingen erfolgreich teilgenommen. Insbesondere wurde auch immer innerhalb des Kulturgeschehens in Hagenbach mitgewirkt. So zum Beispiel anlässlich der 1100-Jahrfeier der Gründung Hagenbachs, der 700-Jahrfeier „Verleihung der Stadtrechte“ und bei den inzwischen zur Tradition gewordenen Brunnenfesten. Sicherlich war die Rundfunkaufnahme im Jahre 1979 durch den Südwestfunk Baden-Baden ein herausragendes Ereignis und Zeugnis für die Chorarbeit. Eine große Anzahl von Auszeichnungen, Pokalen, Urkunden und sonstigen Erinnerungsstücken dokumentieren die Ergebnisse und Früchte der Einsatzbereitschaft aller aktiven und passiven Mitglieder im Laufe der Jahre.

 Der Verein heute

 Im 125. Jahre des Bestehens präsentiert sich der Männergesangverein 1872Eintracht Hagenbach als eine feste und harmonische Gemeinschaft von über 40 aktiven Sängern. Mit Spaß und Fleiß wird in den wöchentlich stattfindenden Singstunden anspruchsvolles Liedgut zusammen mit dem engagierten Dirigenten Clemens Schmith erarbeitet.

Anläßlich der Feier des 125-jährigen Jubiläums überbrachte bei einer Matinée im April 1997 der Regierungspräsident Rainer Rund in Vertretung des Ministerpräsidenten den Wappenschild des Landes Rheinland-Pfalz und gratulierte dem 1. Vorsitzenden Günter Ulm zum Wiegenfest des MGV, desgleichen auch der anwesende Landrat Gottfried Nisslmüller, Ortsbürgermeister Franz-Xaver Scherrer und Verbandsbürgermeister Dietmar Brand. 

 Mit Stolz darf der MGV Eintracht Hagenbach feststellen, dass die Art der Durchführung des Jubiläumsfestes im Juni 1997 und die Art seiner phantasievollen Gestaltung  auf allen Ebenen ein großer Erfolg war und sowohl innerhalb, wie auch über die Ortsgrenzen hinaus, von den Besuchern viel Lob und Anerkennung einbrachte.

Die nachfolgenden Jahre waren durch folgende Ereignisse gekennzeichnet:

1999 April – Chorkonzert zum 50-jährigen Bestehen des Sängerkreises Germersheim
  Mai – erste deutsch-französische Kulturtage mit den „Mainzer Hofsängern“
2000 Chorvortrag anlässlich des Neujahrsempfanges der Stadt Hagenbach
  Chorvortrag zum Volkstrauertag
2001 Mai – Kulturtage mit den „Tölzer Sängerknaben“

2002 April – 130-jähriges Bestehen des MGV. Festlicher Gottesdienst und Gedenken an die  verstorbenen Mitglieder

2002 Oktober – Liederabend im Kulturzentrum   
2003 Mai – Kulturtage mit dem Landespolizei – Orchester Brandenburg

2004 April – Benefiz Kirchenkonzert für die Renovierung der katholischen Kirche St. Michael in Hagenbach
2005 Mai – Eintracht Kulturtage mit dem Montanara Chor

2006 Januar - Im Verbund mit den örtlichen Gesangvereinen Chorvortrag anlässlich der Verleihung der Stadtrechte an die Ortsgemeinde Hagenbach
  Juli – Brunnenfest, Chorvorträge zur 725-jährigen Verleihung der Stadtrechte

 

2007 März – festliches Chorkonzert zum 135-jährigen Jubiläum des MGV Eintracht

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2007 Oktober – Benefiz Chorkonzert im Dom zu Speyer anlässlich der Aktion „die Pfalz singt für die Domrenovierung“. Beide Ereignisse wurden aufgezeichnet.
2008

März – Benefiz Chorkonzert in der katholischen Kirche zu Maximiliansau anlässlich der 10-jährigen Chorleitertätigkeit von Xaver Reichling.

 

 

Neben seiner Sangestätigkeit beteiligt sich der MGV Eintracht im Wechsel mit den örtlichen Gesangvereinen am Neujahrsempfang, Chorbeiträgen zum Seniorennachmittag und Volkstrauertag.

Zur Festigung der Gemeinschaft innerhalb des MGV veranstaltet der Verein für seine Mitglieder und Interessierten Wanderungen, Schlachtfest, mehrtägige Ausflüge, sowie das  schon zur Tradition gewordene Oktoberfest und eine Weihnachtsfeier. Zu diesen Veranstaltungen ist immer auch die gesamte Bevölkerung Hagenbachs eingeladen sowie Freunde und Gönner, um am Vereinsgeschehen des MGV teilhaben zu können.

 Auf jeden Fall geht man guter Dinge in die nächsten Jahre. Die bisher hervorragende Gemeinschaft unter allen aktiven Sängern und ihren Familien wird sicherlich auch weiterhin eine solide Basis für ein reges und fruchtbares Wirken des Vereins innerhalb der Kulturgemeinde von Hagenbach sein. Und so wünscht sich jeder einzelne Sänger, dass es noch lange so weiter geht in jeder Singstunde des MGV Eintracht wie es der Kandeler Künstler Armin Hott anlässlich des 125-jährigen Jubiläums eigens für den Verein so treffend skizziert  und ein Eintracht-Sänger im nachfolgenden Gedicht zum Ausdruck gebracht hat:

    

Gesangverein „Eintracht Brieder“

 

Seit viele Johr, - der Fahne treu

bin ich im Gesangveroi!

Meer nennen uns die „Eintracht Brieder“

un singen noch die alten Lieder –

von Wehmut un von Herzensqual,

vun anno duwak –dazumal.

Dess isch bis heit noch so gebliwwe,

denn im Vereinsbuch steht geschriewwe:

„Wir trotzen Zeiten und Gewalten

und wollen deutsches Lied erhalten!“

So prob ich mit de „Eintracht Brieder“

montagsowens unsre Lieder.

De Alkohol isch mit im Bunde

‚s Schoppeglas dreht fleißisch d’Runde!

Meer singe uns in Dur und Moll

die Lunge leer – die Kuddel voll,

‚s Sängerherz wird weit un frei

dann wird gekardelt so bis um drei!

 Wohlan dem deutschen Lied zur Ehr’,

de Karl weist höflich uns die Deer!

Un kumm ich hääm, ins Heim, ins traute,

dann heer ich „altbekannte Laute“

„Nur wieder so!“, schellt als mei Luder,

„du versoffener „Eintracht Bruder!“

 Dieter Rühm